Migration in Deutschland: Ein Blick auf die Zahlen

Wie viele Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund leben eigentlich in Deutschland? Wie viele von ihnen besitzen einen ausländischen Pass und wie viele haben um internationalen Schutz angesucht? Was sind die zentralen Herkunftsländer und in welchen Regionen Deutschlands leben die meisten Ausländer*innen und Schutzsuchenden? Ich werfe einen Blick auf die Zahlen.

Wie viele Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit leben in Deutschland?

Eine Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist, da es unterschiedliche Erhebungen gibt. Laut der Bevölkerungsfortschreibung (2016) lebten Ende 2016 9,2 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland. In Relation zur deutschen Gesamtbevölkerung entspricht das einem Anteil von 11,2 Prozent. Die Mikrozensus-Erhebung (2016) geht von knapp neun Millionen Ausländer*innen aus und im Ausländerzentralregister (AZR) waren Ende 2016 mehr als zehn Millionen Ausländer*innen registriert.

Laut Expert*innen ist die Zahl des AZR zu hoch, da eine Bereinigung der Zahlen zuletzt im Jahr 2004 durchgeführt wurde. „Karteileichen“ sowie Doppelzählungen sind dadurch nicht auszuschließen. Florian Göttsche, zuständig für Ausländer- und Integrationsstatistiken beim Statistischen Bundesamt, schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Ausländer*innen zwischen AZR und Bevölkerungsfortschreibung liegt.

Wirft man – auf Basis der Volkszählungen und der Fortschreibung dieser – einen Blick auf die Entwicklung des Ausländer*innen-Anteils über die vergangenen Jahrzehnte, ist eine kontinuierliche Steigerung zu erkennen. So waren zum Jahresende 1970 4,5 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung Ausländer*innen (2,7 Millionen). Nach und nach stieg diese Zahl. Die stärksten Veränderungen zeigten sich insbesondere Anfang der 1990er Jahre sowie in den vergangenen drei Jahren (zur Entwicklung der Migration in Deutschland siehe auch: „Deutsche Migrations- und Integrationsgeschichte“).

 

Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland?

Deutlich höher als die Zahl der Ausländer*innen ist die Zahl jener Personen, die einen sogenannten Migrationshintergrund aufweisen. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2016 18,6 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland (22,5 Prozent der Gesamtbevölkerung). Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 8,5 Prozent. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund erreicht damit zum fünften Mal in Folge einen Höchststand. Der Großteil von ihnen – nämlich 9,6 Millionen – besitzt einen deutschen Pass und rund 12,7 Millionen haben eine eigene Migrationserfahrung. Das heißt sie sind selbst im Ausland geboren und nach Deutschland migriert.

Laut dem Statistischen Bundesamt, das Informationen über Migrant*innen durch die Mikrozensus-Erhebung erhält, hat eine Person dann einen Migrationshintergrund „wenn, sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist”. Erstmals erhoben wurde der Migrationshintergrund im Jahr 2005.

Expert*innen zufolge ist diese Definition problematisch. So kritisiert die Sozialanthropologin Anne-Kathrin Will, dass ein wesentlicher Teil der deutschen Migrationsgeschichte unsichtbar bliebe, da Migrationsbezüge von deutschen Geflüchteten und Vertriebenen sowie deren Nachkommen nicht erfasst werden. Dadurch würde ein „Migrationshintergrund” mit „Ausländisch-Sein” gleichgesetzt.

Wie viele Schutzsuchende leben in Deutschland?

Detaillierte Daten zu den Schutzsuchende stehen durch das AZR zur Verfügung. Demnach lebten Ende des Jahres 2016 1,6 Millionen Schutzsuchende in Deutschland. Noch vor zehn Jahren suchten 467.000 Personen hierzulande um internationalen Schutz an. Setzt man die 1,6 Millionen Schutzsuchenden in Relation zu den Einwohner*innen Deutschlands entspricht das einem Anteil von knapp zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung und von 16 Prozent an der Bevölkerung mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.

Aufgeschlüsselt nach dem Schutzstatus verfügten 872.300 Schutzsuchende über einen anerkannten Aufenthaltstitel. Bei 572.500 Personen steht die Entscheidung über den Aufenthaltstitel noch aus und 157.700 Personen wurden abgelehnt. Bei 75 Prozent jener Menschen mit abgelehntem Schutzstatus wurde die Ausreisepflicht aufgrund einer Duldung vorübergehend ausgesetzt.

Was sind häufige Herkunftsländer der Migrant*innen?

Die Frage nach den zentralen Herkunftsländern der Migrant*innen lässt sich je nach Definition bzw. Aufenthaltstitel unterschiedlich beantworten. Wirft man einen Blick auf die Staatsangehörigkeit zeigt sich, dass laut AZR der Großteil der Ausländer*innen aus der Türkei (1.492.580), gefolgt von Polen (783.085) und Syrien (637.845) ist.

Auch bei Personen mit Migrationshintergrund sind die zwei häufigsten Herkunftsländer die Türkei (2.797.000) und Polen (1.868.000). Danach folgt laut der Mikrozensus-Erhebung die Russische Föderation (1.223.000). Syrien ist das siebthäufigste Herkunftsland.

Wenig überraschend handelt es sich bei den meisten in Deutschland lebenden Schutzsuchenden um Syrer*innen (454.815). 190.880 der im AZR registrierten Personen sind afghanische und 156.455 Personen irakische Staatsangehörige.

In welchen Regionen leben die meisten Migrant*innen?

Ein Blick auf die Regionen Deutschlands zeigt, dass der Migrant*innen-Anteil nicht überall gleich hoch ist. Insbesondere in den neuen Bundesländern leben – gemessen an der Bevölkerung – deutlich weniger Migrant*innen als in den alten Bundesländern: Laut dem Mikrozensus lebten 2016 93,6 Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund in den alten Bundesländern und in Berlin, das diesbezüglich eine Ausnahme im Osten Deutschlands darstellt. In den neuen Bundesländern zusammen sind nur 802.000 Menschen mit Migrationshintergrund ansässig (sechs Prozent der dortigen Bevölkerung).

Ähnliches zeigt sich bei der Verteilung der Personen mit ausländischer Bevölkerung: In den neuen Bundesländern ist der Ausländer*innen-Aanteil niedriger als im früheren Bundesgebiet. Auch hier stellt Berlin mit dar – wie die untenstehende linke Karte durch die rote Einfärbung Berlins zeigt. Mit einem Anteil von 15,5 Prozent leben in Relation zur Gesamtbevölkerung deutlich mehr Ausländer*innen als in den umliegenden Kreisen. Im früheren Bundesgebiet heben sich vor allem Ballungsräume wie das Ruhrgebiet (zum Beispiel Duisburg mit 17,8 Prozent), das Rhein-Main-Gebiet (zum Beispiel Frankfurt am Main mit 28 Prozent) sowie Stuttgart (23,8 Prozent) und München (25,2 Prozent) durch ihre höheren Ausländer*inne-Anteile ab.

Anders sieht es bei einem Blick auf die Schutzsuchenden aus wie die unten abgebildete rechte Karte zeigt. In Relation zur gesamten ausländischen Bevölkerung leben besonders viele Schutzsuchende in den neuen Ländern sowie im Norden Schleswig-Holsteins und in Ostfriesland. Damit ist der Anteil der Schutzsuchenden insbesondere in jenen Regionen Deutschlands hoch, in denen nur wenige Ausländer*innen leben.

Deutschlandweit gibt es vier Landkreise, in denen mehr als 50 Prozent der ausländischen Bevölkerung als Schutzsuchende gelten. Elbe-Elster und Oder-Spree (Brandenburg) sowie Mansfeld-Südharz und Stendal (Sachsen-Anhalt). Allesamt Kreise aus den neuen Bundesländern und Kreise mit einem Ausländer*innen-Anteil von unter sechs Prozent.

Mit einem Klick auf die Bilder werden Sie zur interaktiven Karte des Statistischen Bundesamtes weitergeleitet, die einen detaillierten Überblick über in Deutschland lebende Ausländer*innen und Schutzsuchende nach den einzelnen Landkreisen liefert. Zudem gibt die Karte Auskunft über die demographische Zusammensetzung (Alter und Geschlecht) sowie über die Situation der Ausländer*innen am Arbeitsmarkt.

 

Karten mit dem Anteil der Schutzsuchenden und der Ausländer*innen in Deutschland

Der Artikel wurde im Rahmen der medialen Begleitung des Tutzinger Diskurses “Wege der Integration” erstmals veröffentlicht.

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